Linksextremismus in Geschichte und Gegenwart

Linksextremismus-Prävention

Die Gedenkstätte in der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Berlin-Hohenschönhausen setzt sich seit Jahren nicht nur mit dem historischen Kommunismus, sondern auch mit aktuellen Formen des Linksextremismus auseinander. 2020 startete das aktuelle Projekt „Linken Extremismus überzeugend kontern können – Schulung im Umgang mit gefährdeten Jugendlichen“. Es wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Das Projekt spricht neben Jugendlichen auch verstärkt Multiplikatoren der Sozialarbeit an. Die Gedenkstätte bietet wieder bundesweit kostenlose Seminare für Bildungseinrichtungen bzw. Jugendliche ab 16 Jahren an. Die Seminare in der Gedenkstätte beinhalten eine kostenfreie Führung durch das ehemalige Stasi-Gefängnis.

 

Kostenlose Seminarangebote für Jugendliche

Das Einführungsseminar kann beliebig mit Vertiefungseinheiten kombiniert werden. Die Teilnehmenden erschließen sich das jeweilige Thema in Gruppenarbeiten, Diskussionen oder Rollenspielen.

Einführungsseminar (90 Minuten)

Linksextremismus – Was ist das?

Das Seminar bietet eine Einführung in das Thema Linksextremismus. Es befasst sich mit dessen historischen Wurzeln, ideologischen Strömungen und aktuellen Erscheinungsformen. Die Teilnehmenden sollen dazu befähigt werden, dogmatische und teils gewaltorientierte Weltbilder zu erkennen und demokratische und pluralistisch-diskursive Problemlösungen zu erarbeiten.

Vertiefungseinheiten (je 90 Minuten)

Die DDR – Soziales Paradies oder Unrechtsstaat?

Vollbeschäftigung, Gleichberechtigung, soziale Sicherheit – bis heute betrachten einige ehemalige DDR-Bürgerinnen und -Bürger ihren früheren Staat rückblickend als soziales Paradies. Dabei wird leicht übersehen, dass das sozialistische System eine totalitäre Diktatur ohne wirkliche demokratische Mitbestimmung war und Andersdenkende verfolgte. Die vermeintlichen Vorzüge werden näher betrachtet und in den Kontext von Ideologie und Herrschaftspraxis der SED gestellt.

Die Rote Armee Fraktion (RAF) – Terror für die Befreiung?

Vielen Jugendlichen ist heute nicht mehr bekannt, dass es in den 1970er Jahren marxistische Gruppen gab, die mit Terroranschlägen eine kommunistische Revolution anstrebten, darunter die Rote Armee Fraktion (RAF). Mit Überfällen, Brandstiftungen, Erpressungen, Entführungen und Attentaten wollten sie das so genannte Schweinesystem beseitigen. Im Seminar analysieren die Teilnehmenden anhand von Filmen, Texten und Interviews die Motive und Methoden der RAF und fragen danach, wieso deren Ansichten und Aktivitäten heute noch immer eine gewisse Faszination ausüben.

„No capitalism!“ – Leben ohne Marktwirtschaft?

Der Linksextremismus will den „Kapitalismus“ militant überwinden. Doch was bedeutet das konkret? Stimmt es, dass für Armut, Unterentwicklung, Klimawandel und sogar Faschismus vor allem der freie Warenhandel und Kapitalaustausch verantwortlich sind? Das Seminar beschäftigt sich mit Fragen extremistischer und nichtextremistischer Kapitalismuskritik. Die Teilnehmenden diskutieren, ob die verschiedenen Formen der Marktwirtschaft die Ursache der genannten Probleme sind. An welcher Stelle sind eventuell Fehlentwicklungen zu beobachten und inwiefern ist die sozialistische Planwirtschaft eine Alternative?

 „Antifa heißt Angriff“ – mit Gewalt gegen Rechtsextremismus?

Jeder Demokrat ist Antifaschist! Aber ist jeder Antifaschist auch Demokrat? Der „Kampf gegen rechts“ zählt zu den Hauptaktionsfeldern linksextremistischer Gruppen. Aus ihrer Sicht rechtfertigt dieser Kampf nicht nur, tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten zu bedrohen und anzugreifen. Auch Polizeibeamte, die das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit schützen, werden oft gewaltsam bekämpft. Das Seminar befasst sich kritisch mit Theorie und Praxis einiger Vertreter der „Antifaschistischen Aktion“ und diskutiert Alternativen dazu.

 

Online-Seminare

Im Zuge der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Einschränkung von Präsenzseminaren entwickelt das Projektteam fortwährend Webseminare, an denen die Schülerinnen und Schüler bei entsprechender technischer Ausstattung und vorhandener digitaler Infrastruktur der Schulen vom Klassenraum aus teilnehmen können.

Die DDR – soziales Paradies oder Unrechtsstaat?

Derzeit ist ein 60- bis 90-minütiges historisches Seminar für Schülerinnen und Schüler zum Kontrast zwischen Selbstdarstellung der DDR als soziales sowie humanistisches Paradies einerseits und der repressiven Verfolgung von Menschen, die auf politischer oder gesellschaftlicher Ebene anderer Meinung waren, buchbar. In dem mit verschiedenen interaktiven Beteiligungsmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler konzipierten Online-Seminar wird auch auf Grundrechte der pluralistischen Demokratie eingegangen und ein kurzer Einblick in die ehemalige zentrale Untersuchungshaftanstalt des MfS in Hohenschönhausen ermöglicht.

Antisemitismus und Verschwörungstheorien

Für junge Erwachsene aber auch Multiplikatorinnen und Multiplikatoren hat das Projektteam ein 180-minütiges in zwei Blöcken durchführbares Onlineseminar zu Antisemitismus und Verschwörungstheorien entwickelt. Darin wird nicht nur verschiedenen traditionellen antijudaistischen bzw. antisemitischen Zerrbildern und ihren historischen Ursprungskontexten nachgespürt. Es wird auch aufgezeigt, dass antisemitische Narrative kein Alleinstellungsmerkmal rechtsextremistischen Verschwörungsdenkens darstellen, sondern bspw. auch in den realsozialistischen Staaten reproduziert wurden.

Eckpfeiler und Ausprägungen der historischen und aktuellen extremistischen Linken

Zusätzlich findet sich noch ein 45-mintiges Seminar für Lehrerinnen und Lehrer im Angebot. Darin werden grundsätzliche Eckpfeiler und Ausprägungen der historischen und aktuellen extremistischen Linken erläutert und zusammen mit den Lehrkräften erörtert, inwiefern dieses Thema im Unterricht als Teil der allgemeinen Demokratiebildung genutzt werden kann. 

 

Zur Vor- und Nachbereitung steht Lehrkräften eine Handreichung zur Verfügung, die auf Wunsch als pdf per Email zugesandt wird.

 

Kontakt

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Team „Linken Extremismus kontern können“

Genslerstr. 66
13055 Berlin

Tel.: 030 / 986082-418
bildungsarbeit2 [at] stiftung-hsh.de

Internetauftritt des BMFSFJ

Internetauftritt des Programms "Demokratie leben!"

 

 

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