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Michael Brack

Michael Brack

Michael Brack wurde 1949 in Berlin-Neukölln geboren. Seine Eltern zogen 1954 mit ihm in den Ost-Berliner Stadtbezirk Treptow.

An einem Herbstmorgen des Jahres 1969 standen plötzlich zwei Männer in Zivil, die sich als Kriminalpolizisten auswiesen, vor der Haustür von Familie Brack im Berliner Ortsteil Bohnsdorf. Sie forderten den damals 20jährigen Michael Brack auf, mit ihnen zu kommen. Schon beim ersten Verhör war Brack klar: Nun, nach gut einem Jahr, hatten sie endlich herausgefunden, dass er 1968 mehrfach die Losung "Es lebe Dubček" an Hauswände in der Gegend um den Bahnhof Ostkreuz geschrieben hatte. Gemeinsam mit einem Freund wollte er gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings protestieren.

Michael Brack war 1968 ein Jugendlicher, der – wie viele seiner Generation – von den vielen neuen Ideen dieses Jahres angesteckt war. Dabei verstand er sich nicht unbedingt als Oppositioneller. Bei aller Neigung zum Protest – die politischen Debatten von 1968 waren für ihn zweitrangig. Ihm ging es zuerst um ein freieres Leben, um den Aufbruch aus der spießig muffigen Gesellschaft. Selbstverständlich trug er auch lange Haare. Als die Ideen des Prager Frühlings am 21. August durch die einrückenden Armeen einiger Ostblock-Staaten zerstört wurden und die SED-Führung den Eindruck erweckte, die NVA hätte daran aktiv mitgewirkt, war für Michael Brack klar, dass er dagegen protestieren musste. Er besorgte sich Farbe und pinselte mit Freunden die Losungen rund um den Bahnhof Ostkreuz an Häuserwände.

Nach seiner Festnahme ein Jahr später kam er zunächst in das Polizeigefängnis in der Keibelstraße in der Nähe des Alexanderplatzes. Von dort wurde er in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Potsdam – das "Lindenhotel" – gebracht. Hier herrschte ein völlig anderer Ton als im Polizeigefängnis, die Androhung von Schlägen inklusive. Nach einem Vierteljahr Untersuchungshaft wurde er plötzlich ohne Anklage freigelassen.

Brack arbeitete daraufhin in verschiedenen Jobs als Hilfsarbeiter. 1972 begann er ein Volontariat im Puppentheater Magdeburg und wurde zum Schauspielstudium delegiert. Mittendrin kam der Einberufungsbefehl zur NVA. Nach dem 18-monatigen Wehrdienst konnte er sein Studium nicht fortsetzen, Brack zog wieder nach Berlin und arbeitete als Bühnenarbeiter und Friedhofsgärtner, bis er an der Akademie der Künste in der Veranstaltungsabteilung eine Stelle bekam.

Seit Herbst 1989 engagierte sich Brack im Neuen Forum. Bei der ersten freien Kommunalwahl wählten ihn die Einwohner von Hartmannsdorf, wohin er mit seiner Frau 1982 gezogen war, zum Bürgermeister. Er amtierte bis 1998 und studierte gleichzeitig Verwaltungsrecht. Nach einigen Zwischenetappen war er zuletzt als Geschäftsführer der Kulturgießerei in Schöneiche bei Berlin tätig. Seit 2016 arbeitet er als Besucherreferent in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen