24.9.2018 |
Vizedirektor der Gedenkstätte Hohenschönhausen beurlaubt

Sabine Bergmann-Pohl soll Mitarbeiterinnen befragen

Der stellvertretende Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Helmuth Frauendorfer, wird mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Das hat der Direktor der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, am Montag (24.9.) entschieden. Grund dafür seien die ihm vergangene Woche von der Kulturverwaltung übermittelten Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte und die Erklärung von Frauendorfers Anwalt, diese seien „zum Teil wirklich berechtigt“. Nun müssten diese Vorwürfe juristisch bewertet werden, womit sich der Stiftungsrat am Dienstag beschäftigen werde.

Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen bat zugleich die Ärztin und ehemalige Präsidentin der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer, Sabine Bergmann-Pohl, die Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte zu befragen, ob sie sich im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit sexuell belästigt fühlten. "Wenn es Kritik gibt, dann gehört diese auf den Tisch. Ich bin sehr dankbar, dass sich Frau Dr. Bergmann-Pohl bereit erklärt hat, zusammen mit der Anti-Diskriminierungsbeauftragten der Gedenkstätte die Situation von unabhängiger Seite zu untersuchen." Das Ergebnis der Befragungen soll in einem Abschlussbericht festgehalten werden, der auch praktische Schlussfolgerungen für ein respektvolles Zusammenarbeiten zwischen Männern und Frauen enthalten soll. Darüber hinaus werde es Schulungen für Mitarbeiter geben, um sie für das Thema zu sensibilisieren und Verhaltenshinweise zu geben.

Knabe hatte bereits im März 2016 ein Personalgespräch mit Frauendorfer geführt und dabei mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht. Nach einem neuerlichen Hinweis hatte er im April 2018 Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, da ihm die Kulturverwaltung darüber keine Auskunft erteilt hatte. Das Ermittlungsverfahren war im August mangels Tatverdachts von der Staatsanwaltschaft Berlin eingestellt worden.

Kontakt:
Michael Ginsburg, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Telefon: 030 / 98 60 82- 503
E-Mail: m.ginsburg@stiftung-hsh

Download der Pressemitteilung