Linksextremismus in Geschichte und Gegenwart

Linksextremismus-Prävention

Die Gedenkstätte in der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Berlin-Hohenschönhausen setzt sich seit Jahren nicht nur mit dem historischen Kommunismus, sondern auch mit aktuellen Formen des Linksextremismus auseinander. 2020 startete das aktuelle Projekt „Linken Extremismus überzeugend kontern können – Schulung im Umgang mit gefährdeten Jugendlichen“. Es wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Das Projekt spricht neben Jugendlichen im Alter von 16 bis 27 Jahren auch verstärkt Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Jugend- und Sozialarbeit an. Die Seminare vor Ort in der Gedenkstätte beinhalten eine kostenfreie Führung durch das ehemalige Stasi-Gefängnis. Ferner werden bundesweit kostenlose Seminare an Bildungseinrichtungen angeboten.

Die meisten unserer Seminare sind auch als Online-Seminare buchbar und mit verschiedenen interaktiven Beteiligungsmöglichkeiten konzipiert. Um eine Teilnahme mit eingeschalteter Kamera und funktionierendem Mikrofon wird gebeten.

Kostenlose Seminarangebote für Jugendliche sowie Multiplikatorinnen & Multiplikatoren

Das 90-minütige Grundlagenseminar kann beliebig mit Vertiefungseinheiten kombiniert werden. Die Teilnehmenden erschließen sich das jeweilige Thema in Gruppenarbeiten, Diskussionen oder Rollenspielen. Zur Vor- und Nachbereitung stellen wir Lehrkräften eine Handreichung inkl. einem ausgewählten Unterrichtsbeispiel zur Verfügung, die auf Wunsch als PDF per E-Mail zugesandt wird. Die angebotenen Seminare sind gut in die Unterrichtsfächer Geschichte, Sozialkunde, Politik sowie Ethik integrierbar.

Grundlagenseminare

Linksextremismus – Was ist das? (90 Min.)

Das Seminar bietet eine Einführung in das Thema Linksextremismus. Es befasst sich mit dessen historischen Wurzeln, ideologischen Strömungen und aktuellen Erscheinungsformen. Die Teilnehmenden sollen dazu befähigt werden, dogmatische und teils gewaltorientierte Weltbilder zu erkennen sowie demokratische und pluralistisch-diskursive Problemlösungen zu erarbeiten.

"Linker Extremismus” - Ein Thema für den Unterricht? (45 Min.)

In diesem Online-Kaffeepausen-Seminar für Lehrkräfte werden grundsätzliche Eckpfeiler und Ausprägungen der historischen und aktuellen extremistischen Linken erläutert und zusammen mit den Lehrkräften erörtert, inwiefern dieses Thema im Unterricht als Teil der allgemeinen Demokratiebildung genutzt werden kann.

Vertiefungseinheiten

Die DDR – Soziales Paradies oder Unrechtsstaat? (90 Min.)

Vollbeschäftigung, Gleichberechtigung, soziale Sicherheit – bis heute betrachten einige die DDR rückblickend als soziales Paradies. Dabei wird leicht übersehen, dass das sozialistische System eine totalitäre Diktatur ohne wirkliche demokratische Mitbestimmung war und Andersdenkende verfolgte. In dem für Jugendliche konzipierten historischen Seminar wird auch auf Grundrechte der pluralistischen Demokratie eingegangen und ein kurzer Einblick in die ehemalige zentrale Untersuchungshaftanstalt des MfS in Hohenschönhausen ermöglicht.

Freiheit im Sozialismus? Die DDR und die Menschenrechte (90 Min.)

Das interaktive Seminar beleuchtet Menschenrechtsfragen aus historischer Perspektive am Beispiel der DDR in den 1970er und 1980er Jahren. Es soll ein Bewusstsein für die Bedeutung von Menschenrechten und Demokratie unter gleichzeitiger Vergegenwärtigung der Ideologie und Wirkmechanismen der kommunistischen Staatsführung geschaffen werden. Mit Rückbezug auf die Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird exemplarisch aufgezeigt, wie sich das Leben und der Alltag für die Bürgerinnen und Bürger in der DDR gestaltete, die auf ihr Recht auf Meinungsfreiheit bestanden, sich ihre eigenen Freiräume schaffen oder die DDR verlassen wollten.

Die Rote Armee Fraktion (RAF) – Terror für die Befreiung? (90 Min.)

Vielen Jugendlichen ist heute nicht mehr bekannt, dass es in den 1970er Jahren marxistische Gruppen gab, die mit Terroranschlägen eine kommunistische Revolution anstrebten, darunter die Rote Armee Fraktion (RAF). Mit Überfällen, Brandstiftungen, Erpressungen, Entführungen und Attentaten wollten sie das so genannte Schweinesystem beseitigen. Im Seminar analysieren die Teilnehmenden anhand von Filmen, Texten und Interviews die Motive und Methoden der RAF und fragen danach, wieso deren Ansichten und Aktivitäten immer wieder eine gewisse Faszination ausüben.

„No capitalism!“ – Leben ohne Marktwirtschaft? (90 Min.)

Der Linksextremismus will den „Kapitalismus“ militant überwinden. Doch was bedeutet das konkret? Stimmt es, dass für Armut, Unterentwicklung, Klimawandel und sogar Faschismus vor allem der freie Warenhandel und Kapitalaustausch verantwortlich sind? Das Seminar beschäftigt sich mit Fragen extremistischer und nichtextremistischer Kapitalismuskritik. Die Teilnehmenden diskutieren, ob die verschiedenen Formen der Marktwirtschaft die Ursache der genannten Probleme sind. An welcher Stelle sind eventuell Fehlentwicklungen zu beobachten und inwiefern ist die sozialistische Planwirtschaft eine Alternative?

„Antifa heißt Angriff“ – mit Gewalt gegen Rechtsextremismus? (90 Min.)

Jeder Demokrat ist Antifaschist! Aber ist jeder Antifaschist auch Demokrat? Der „Kampf gegen rechts“ zählt zu den Hauptaktionsfeldern linksextremistischer Gruppen. Aus ihrer Sicht rechtfertigt dieser Kampf nicht nur, tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten zu bedrohen und anzugreifen. Auch Polizeibeamte, die das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit schützen, werden oft gewaltsam bekämpft. Das Seminar befasst sich kritisch mit Theorie und Praxis einiger Vertreterinnen und Vertreter der „Antifaschistischen Aktion“ und diskutiert Alternativen dazu.

Antisemitismus und Verschwörungstheorien (2x 90 Min.)

Für junge Erwachsene aber auch Multiplikatorinnen und Multiplikatoren hat das Projektteam ein in zwei Blöcken durchführbares Seminar zu Antisemitismus und Verschwörungstheorien entwickelt. Darin wird nicht nur verschiedenen traditionellen antijudaistischen bzw. antisemitischen Zerrbildern und ihren historischen Ursprungskontexten nachgespürt. Es wird auch aufgezeigt, dass antisemitische Narrative kein Alleinstellungsmerkmal rechtsextremistischen Verschwörungsdenkens darstellen, sondern bspw. auch in den realsozialistischen Staaten reproduziert wurden.

Extremismus damals und heute – Was ist aus der DDR-Geschichte zu lernen? (2x 90 Min.)

In diesem Seminar werden Nutzen und Notwendigkeit der inhaltlichen Beschäftigung mit der DDR-Geschichte als ein Weg der Extremismus-Prävention dargelegt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Auseinandersetzung mit den zentralen Sinnformeln „Antifaschismus“ und „Kapitalismus“. Ziel ist es, die Teilnehmenden besser zu befähigen, antidemokratische Denk- und Handlungsweisen in Vergangenheit und Gegenwart zu erkennen, zu analysieren und totalitären Entwicklungen vorzubeugen. Die Fortbildung für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wendet sich sowohl an Lehrende als auch zivilgesellschaftlich Engagierte.

 

Kontakt

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Team „Linken Extremismus kontern können“

Genslerstr. 66
13055 Berlin

Tel.: 030 / 986082-418

Mobil: 01733265499

bildungsarbeit2 [at] stiftung-hsh.de

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