5.1.2021 |
Trauer um Marita Ulbricht

MaritaUlbricht
Foto: © Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen e.V.

„Ein aufrichtiger und geradliniger Mensch“

„Ich bin überhaupt durch Marita dazu gekommen, in der Gedenkstätte Führungen zu machen“, sagt Monika Schneider. Sie und Marita Ulbricht (1943-2020) haben 2011 begonnen, gemeinsam Besuchergruppen in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zu betreuen. Marita Ulbricht nahm kein Blatt vor den Mund. Und doch erzählte sie nicht jedem, was ihr in Hohenschönhausen widerfahren war, vor allem wenn das Interesse ihres Publikums zu wünschen übrig ließ. Sie war ein eigensinniger Mensch, der seine Meinung vertrat, sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik.

Marita Ulbricht arbeitete zu Beginn der 1980er- Jahre als Sekretärin in der Medizintechnik der Charité. 1981 plante sie, im Kofferraum eines Diplomatenfahrzeuges über den Checkpoint Charlie in die Bundesrepublik zu fliehen. Bei ihrem Fluchtversuch wurde sie entdeckt, verhaftet und in der Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Hohenschönhausen inhaftiert. Das Urteil lautete auf zwei Jahre und acht Monaten wegen „landesverräterischer Agententätigkeit“ und „Republikflucht“. Sie verbüßte ihre Haftstrafe im Frauengefängnis in Hoheneck. Im November 1982 kaufte die Bundesrepublik sie frei.

Marita Ulbricht machte bis 2015 wöchentlich Führungen in der Gedenkstätte. Oft war es so, dass sie noch lange nach Ende ihrer Führung mit der Besuchergruppe im Gespräch auf dem Hof stehenblieb. Mit einigen Gruppen hatte sie über Jahre hinaus regelmäßigen Kontakt. Neben ihrer Arbeit in Hohenschönhausen engagierte sie sich auch lange Zeit beim Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen e.V. und war im Haus am Checkpoint Charlie tätig.

Marita Ulbricht ist am 26. Dezember 2020 nach einer langen Krankheit verstorben. Wir danken ihr für ihr jahrelanges Engagement, ohne das die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen nicht das wäre, was sie ist, und sind in Gedanken bei ihren Freunden, die ihr bis zum Tod beistanden.