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Michael Bradler
Zellengang im Neubau

Schicksale

Michael Bradler

Michael Bradler wurde 1961 in Ost-Berlin geboren und erlernte den Beruf eines Präzisionsfeinmechanikers. Nach dem frühen Tod seiner Mutter im Jahr 1971 kümmerten sich die Großeltern um ihn. Als diese und Bradlers bester Freund in die Bundesrepublik übersiedelten, wollte auch er die DDR verlassen.

1981 stellte M. Bradler insgesamt sieben Ausreiseanträge, die alle abgelehnt wurden. Auch beruflich wurde er von der Forschungsabteilung seines Betriebs ins Heizhaus degradiert. Zudem befürchtete er, zur Armee eingezogen zu werden und dadurch jede Aussicht auf eine Ausreise aus der DDR zu verlieren.

Im Januar 1982 entschloss er sich, seine Verhaftung zu provozieren: Er ging direkt zum Grenzübergang Sonnenallee in Ost-Berlin und verlangte, das Land zu verlassen. M. Bradler wurde daraufhin von der Staatssicherheit festgenommen und in das Untersuchungsgefängnis in die Magdalenenstraße gebracht. Am darauffolgenden Tag kam er nach Hohenschönhausen. Weitere seiner Haftstationen waren in Berlin-Rummelsburg sowie in Cottbus und in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz).

In einem zweitägigen Gerichtsprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit am 20. und 24. Mai 1982 wurde M. Bradler wegen „Landesverräterischer Agententätigkeit“ zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt. Im Oktober 1982 erfolgte sein Freikauf durch die Bundesrepublik und die Ausreise nach West-Berlin, wo er eine Beschäftigung als Feinmechaniker fand.

Seit 1998 führt Michael Bradler Besuchergruppen durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und das Berliner Stasimuseum (ASTAK). Seit 2011 ist er als Zeitzeuge an Schulen und Bildungseinrichtungen für das Koordinierende Zeitzeugenbüro im Einsatz. Seit 2022 führt er zudem durch die ehemalige Haftanstalt in Cottbus.

Weiterführende Informationen


  • Michael Bradler/ Michael Rothe: Ich wollte doch nicht an der Mauer erschossen werden, Berlin 2011

Die Publikation ist in der BuchHandlung89 erhältlich: BuchHandlung89

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (Hg.), Zeugen der Zeit. Porträts von Dirk Vogel, Berlin 2023

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