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Cliewe Juritza

Juritza ClieweCliewe Juritza wurde 1966 in Ost-Berlin geboren und erlernte den Beruf des Klempners. Schwierigkeiten mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) bekam er bereits mit zwölf Jahren, als er sich an die damalige US-Botschaft wandte, weil er sich ein Skateboard wünschte. Die Rüge, wie er es wagen könnte, „in die Höhle des imperialistischen Klassenfeindes zu gehen“, blieb zunächst folgenlos. Mit 14 Jahren wurde ihm die Aufnahme in die Handelsmarine aufgrund seiner Westverwandtschaft verweigert. Juritzas Fernweh war jedoch zu groß, als dass er für immer in einem eingemauerten Land leben wollte. Er fasste den Entschluss, über Ungarn in die Bundesrepublik zu fliehen. Die Flucht scheiterte. Im Zug zur ungarischen Grenzstadt Sopron wurde er kontrolliert und am Bahnhof erwartete ihn bereits die Polizei. Dem Druck im Verhör hielt er stand und wurde wieder freigelassen. Er fuhr zurück in die DDR und versuchte, über die innerdeutsche Grenze zu fliehen. Auch dieser Fluchtversuch misslang, in der Nähe von Eisenach wurde Cliewe Juritza 1984 schließlich festgenommen. Zunächst kurze Zeit in Gotha inhaftiert, wurde er anschließend in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Rummelsburg gebracht. Wegen „Verdachts auf versuchten ungesetzlichen Grenzübertritt“ verurteilte man ihn zu zwölf Monaten Haft. Der damals erst 18-jährige verbüßte seine Haftzeit im Jugendhaus Halle. Nach zehn Monaten wurde er schließlich im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik abgeschoben. In Kassel holte er sein Abitur nach und studierte an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften. Für eine kurze Zeit betrieb er 1995 mit Studienkollegen das Café Staatsrat im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR. Später arbeitete Cliewe Juritza beim Berliner Senat und organisierte als freier Mitarbeiter städtebauliche Wettbewerbe, war als Journalist tätig und arbeitete in der Pressestelle eines großen amerikanischen Unternehmens. Er ist heute Stadtführer in Berlin und führt seit 2008 Besuchergruppen durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Sein Schicksal hat er in einem autobiografischen Buch beschrieben.

Literatur:
Juritza, Cliewe: Als die Berliner Mauer noch kein Denkmal war (2008)



 
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