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Zeitzeugen
Fotodokumentation über ehemalige Häftlinge und heutige Besucherreferenten
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat eine ständige Ausstellung über Zeitzeugen in der ehemaligen zentralen Untersuchungshaft der Staatssicherheit eingerichtet. Ehemalige Häftlinge sind heute als Besucherreferenten in der Gedenkstätte tätig und berichten vor Ort über Verfolgung, Überwachung, Haftbedingungen und ihre Erfahrungen mit dem Ministerium für Staatssicherheit.
Weitere Informationen über Zeitzeugen und ihre Biografien finden Sie auf der Seite Zeitzeugenbörse.
Fotos: Andree Kaiser
Konzept und Gestaltung: Kathrin Haller-Kaiser
"Seit Anfang der 90er Jahre, seit der Auflösung der Stasi der politischen Polizei und der Geheimpolizei unter der SED-Herrschaft erklären ehemalige Häftlinge den Besuchern das Gefängnis. Sie erklären den Haftvollzug bei der Staatssicherheit. Sie erzählen auch ihre Haftgeschichte. Betroffene haben seit 1990 nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland und der darauf unmittelbar folgenden Schließung der Haftanstalt die Einrichtung einer Gedenkstätte an diesem historischen Ort des Terrors, der Willkür und des Unrechts gegenüber Zehntausenden von Häftlingen seit 1945, gefordert. Wir wissen heute noch immer nicht, wie viele Menschen insgesamt in diesen 45 Jahren hier inhaftiert waren.
Mehr als 175.000 Besucher haben die Gedenkstätte seit 1994 kennengelernt. Sie befindet sich weiter im Aufbau. Ihre Bestimmung für die nächsten Jahrzehnte ist es, ein Ort des Gedenkens und der Erinnerung, ein Ort der Dokumentation, der Forschung, ein Ort der Kommunikation und zugleich ein Ort der Begegnung zu sein. Sie ist ein Lernort für den Einzelnen und ein Lernort für das Gedächtnis der Gesellschaft, ein Lernort für die Demokratie und die Menschenrechte. Die Besucherreferenten und auf ihre ganz besondere Weise die ehemaligen politischen Häftlinge haben als freie Mitarbeiter in den vergangenen fünf Jahren einen erheblichen Teil dieser unmittelbaren Vermittlungsarbeit geleistet.
Die Besucher interessieren sich ganz besonders für die erzählten persönlichen Geschichten, für das individuelle Schicksal der politischen Strafverfolgung und seiner großen und schwerwiegenden, wie auch der kleineren Auswirkungen auf das weitere Leben. Die ganze Person steht im Mittelpunkt des Interesses der Besucher. Manchmal ist es schwer, sich so ungeschützt und direkt immer wieder preiszugeben. Es ist auch schwer, sich immer wieder an diesen Ort der persönlichen Demütigung zu begeben, an diesen Ort der existentiellen Ausgeliefertheit, der Isolation von allem, was zum Leben gehört, vor allem der Isolation von Menschen sowie Lebenswelten und der mit all dem immer wieder präsenten Erinnerung an abgrundtiefe Traurigkeit, der Erinnerung eines großen Kummers.
In der Gedenkstätte wird nun im dialogischen Verfahren vermittelt und gelernt. Die Besucher fragen. Die Besucherreferenten erhalten Anerkennung für ihr Bestehen in den Widrigkeiten der politischen und menschlichen Verhältnisse. Mitgefühl teilt sich mit. Auch das Gespräch zwischen den Generationen wird auf diese Weise zunehmend als Bildungsarbeit ernst genommen. Im Sommer dieses Jahres wurde der Berliner Fotograf Andree Kaiser durch eine Freundin an diesen Ort geführt. Er war nicht zum ersten Mal da. Als 18jähriger war er hier in Untersuchungshaft. Für ihn bot sich nun die Möglichkeit, das Fotoprojekt und die Bearbeitung der eigenen Geschichte miteinander zu verbinden.
Durch meine langjährige Arbeit als Fotojournalist und der Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Menschen und Schicksalen, mit Krieg, Unrecht und Leid empfand ich das, was ich selbst erlebt hatte, oft als beinahe unbedeutend. Aber nun ist alles plötzlich wieder ganz nah, berührt mich unmittelbar, ist ein Teil meines Lebens.
Andree Kaiser, November 2000" |
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