19.10.2017 | Ankündigung

Titelbild web
Der Schriftsteller und Psychologe Jürgen Fuchs hat seine Haftzeit im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen in "Vernehmungsprotokollen" niedergeschrieben. Die Musikerin, Autorin und Regisseurin Ulrike Ruf hat daran anlehnend ein Musiktheaterstück produziert, das auf eindrückliche Weise die Überwachungsmechanismen in der SED-Diktatur wiedergibt.

Volk unter Verdacht

Gespräch und Musiktheater

14. Dezember 2017, 18.30 Uhr

Radialsystem, Holzmarktstr. 33, 10243 Berlin

„Ich schweige nicht.“ Das steht auf dem Grabstein des 1999 im Alter von nur 49 Jahren verstorbenen Jürgen Fuchs. Wer war dieser Jürgen Fuchs? Wer kennt ihn noch? Wer weiß heute noch, was Stasi-Haft ist? Wer kann sich vorstellen, eingeschlossen hinter Glasbausteinen zu sitzen und mit dem Finger auf eine Tischplatte zu schreiben, weil man kein Papier und keinen Stift bekommt in der Untersuchungshaft? Und dass aus diesen Bewegungen, die sich ins Gedächtnis brennen, wichtige Protokolle und schöne Gedichte entstehen können?

Das in der DDR geschehene Unrecht hat er analysiert und publik gemacht. Er war Schriftsteller, Bürgerrechtler und Psychologe. Er war gnadenlos aufrecht und eckte an. Auch im Westen. Auch nach der Wiedervereinigung. Eines ist klar: Auch nach seinem Tod wird er nicht schweigen. Dafür sorgt auch das Musiktheater, das Texte von Jürgen Fuchs verarbeitet; dafür sorgen auch jene, die an diesem Abend über Jürgen Fuchs sprechen werden.

Bitte beachten Sie, dass nur für das einführende Gespräch der Eintritt frei ist. Karten für das Musiktheaterstück sind ausschließlich beim Radialsystem erhältlich.

RADIALSYSTEM V Logo

Bild: BStU

Programm

18.30 Uhr Gespräch

  • Lilo Fuchs, Witwe von Jürgen Fuchs
  • Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR
  • Dr. Hubertus Knabe, Direktor Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen
  • Moderation: Helmuth Frauendorfer, Stv. Direktor Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

20.00 Uhr Musiktheater

Volk unter Verdacht
Dokumentarisches Musiktheater von Ulrike Ruf

Misstrauen, Kollaboration, Weigerung und Aufbegehren: "Volk unter Verdacht" beleuchtet anhand von Archivdokumenten der Stasiunterlagen-Behörde (BStU) und Auszügen aus den "Vernehmungsprotokollen" des Schriftstellers und Dissidenten Jürgen Fuchs szenisch wie musikalisch das perfide System der DDR-Staatssicherheit - und hinterfragt damit auch die heutige Alltäglichkeit massenhafter Datensammlung.

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin. Kompositionsauftrag von Vocalconsort Berlin, finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.


Weitere Aufführungen:

15. + 16. Dezember 20.00 Uhr
17. Dezember 18.00 Uhr