15.3.2017 | Untersuchungshaft bei der sowjetischen Geheimpolizei

U Boot Sowjets
Ab Ende April 1945 begannen in den von der Roten Armee okkupierten mitteldeutschen Gebieten die sowjetischen Geheimdienste mit vorbereiteten und zielgerichteten Verhaftungsaktionen unter der Zivilbevölkerung. Insgesamt wurden auf dem Territorium der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR bis in die fünfziger Jahre hinein schätzungsweise über 200.000 Zivilisten deutscher Staatsangehörigkeit eingekerkert und interniert.

Untersuchungshaft bei der sowjetischen Geheimpolizei.
Die Berliner Haftstätten 1945 bis 1955

Von Peter Erler

Teilveröffentlicht in: Niko Rollmann (Hg.): Reise durch den Untergrund. Architektur, Geschichte und Konstrukt. Unter Mitwirkung von Sebastian Machleb. Berlin 2013, S. 82-112.

Davon wurden allein 35.000 durch sowjetische Militärtribunale (SMT) und durch Sonderberatungen (Osoboje Soweschanje – OSO) zu langjährigen Haftstrafen oder zum Tod durch Erschießen verurteilt. Dieser Personenkreis war existential von einer Okkupationspolitik betroffen, bei der sich zunächst radikale und oft willkürliche Maßnahmen zur Abrechnung mit den Unterstützern des Nationalsozialismus sowie zur Gewährleistung der eigenen Sicherheit zunehmend mit zielgerichteten Aktivitäten bei der Transformierung der ostdeutschen Gesellschaft nach sowjetischem Vorbild verschränkten. Zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele griff die östliche Siegermacht auf Repressiv- und Terrorpraktiken zurück, die in der damaligen UdSSR zur alltäglichen Herrschaftspraxis gehörten.

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Vorschlag zur Zitierweise: Peter Erler, Untersuchungshaft bei der sowjetischen Geheimpolizei. Die Berliner Haftstätten 1945 bis 1955, Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Studien und Analysen, 08/2017