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Sowjetisches Speziallager Nr. 3
Lager_Sowjet
Sowjetische Lagerumzäunung, Aufnahme von 1956.

Im Mai 1945 beschlagnahmte die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände an der Genslerstraße, auf dem sich seit 1938 eine Großküche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) befunden hatte. Die Sowjets nutzten das Gelände als Haftlager - das Speziallager Nr. 3. Es unterstand dem Moskauer Volkskommissariat für Inneres (NKWD) und diente in erster Linie als Sammel- und Durchgangslager, von dem aus über 20.000 Gefangene in andere sowjetische Lager transportiert wurden. Die Lebensbedingungen waren katastrophal. Auf engstem Raum waren zeitweise über 4.200 Menschen zusammengepfercht. Die hygienischen Verhältnisse und die Verpflegung waren völlig unzureichend, die Räume unbeheizt. Schätzungen gehen für die Zeit von Juli 1945 bis Oktober 1946 von über 3.000 Toten aus. Ihre Leichen wurden auf einem Schuttabladeplatz in Bombentrichtern verscharrt.
Die meisten Häftlinge waren aufgrund des sowjetischen Befehls 00315 vom 18. April 1945 eingewiesen worden. Danach waren Spione, Diversanten, Terroristen, NSDAP-Aktivisten, Polizei- und Geheimdienstangehörige, Verwaltungsbeamte und andere “feindliche Elemente” in Deutschland zu verhaften. Erst später berief man sich auf Vereinbarungen der Alliierten vom August 1945, hohe Amtsträger von NS-Organisationen und einflussreiche Nazi-Anhänger festzunehmen. Viele der Verhafteten waren jedoch nur geringfügig oder gar nicht in das NS-System verstrickt. Zu den Internierten zählten nicht nur zahlreiche Nicht-Deutsche (vor allem Exil-Russen), sondern auch Frauen und Jugendliche. Oft war eine Denunziation Anlass für die Inhaftierung, so der Fall bei dem bekannten Schauspieler Heinrich George. Auch Kritiker der sowjetischen Besatzungsmacht kamen nach Hohenschönhausen. Im Oktober 1946 wurde das Speziallager aufgelöst, die Gefangenen kamen an andere Orte.
In der Genslerstraße befand sich auch die zentrale Verwaltung der insgesamt zehn sowjetischen Speziallager in Deutschland. Nach – unvollständigen – offiziellen Angaben waren in ihnen über 122.000 Deutsche inhaftiert, von denen mehr als ein Drittel in der Haft verstarb. Die meisten Gefangenen wurden jahrelang festgehalten, ohne jemals vor Gericht gestanden zu haben. Ab 1947 kamen zunehmend Personen in die Lager, die zuvor von einem sowjetischen Militärtribunal (SMT) verurteilt worden waren, bis Dezember 1949 allein im ehemaligen Speziallager Sachsenhausen mehr als 12.000 deutsche Zivilisten, von denen viele so genannter konterrevolutionärer Verbrechen beschuldigt wurden. Erst Anfang 1950 wurden die letzten drei Speziallager aufgelöst.

Biografische Fallbeispiele

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